Deutsche Bahn - Von Herz zu Herz Deutsche Bahn - Von Herz zu Herz Deutsche Bahn - Von Herz zu Herz

China in Berlin

Auf ins Reich der Mitte

Wer auf dem Landweg in die chinesische Kultur eintauchen will, muss nicht gleich die Transsibirische Eisenbahn nehmen. Ein Trip ins fernöstliche Berlin – per ICE und Rikscha.

Es war Annas Idee. Sie studiert traditionelle chinesische Medizin. Schon lange wollte sie Deutschlands einzigen Shaolin-Tempel besuchen, um dort Qigong zu lernen – Meditation und Bewegung zur Selbstheilung. Ich war hin- und hergerissen: Mit einer Freundin nach Berlin? Super Idee! Aber zur Entschleunigung in die pulsierende Hauptstadt... Passt das zusammen? Wir beschlossen, es auszuprobieren – und dabei nicht nur Qigong zu üben, sondern nebenbei das chinesische Berlin zu entdecken. Schon im ICE von Dortmund gen Osten klickten wir uns durch Restaurant- und Kulturtipps – und waren erstaunt, wie viel China in Berlin steckt.

Entspannt starten wir unseren Trip von Dortmund nach Berlin

Hauptbahnhof Berlin, mitten im Herzen der großen Stadt

Entspannt starten wir unseren Trip von Dortmund nach Berlin

Entspannt starten wir unseren Trip von Dortmund nach Berlin

Hauptbahnhof Berlin, mitten im Herzen der großen Stadt

Hauptbahnhof Berlin, mitten im Herzen der großen Stadt

Rund 8.000 Chinesen leben in der deutschen Hauptstadt. Berlin ist damit die bei Chinesen mit Abstand beliebteste deutsche Stadt und durch eine lange Tradition mit dem Reich der Mitte verbunden. Vor allem im Stadtteil Charlottenburg siedelten sich bereits vor rund 100 Jahren viele Chinesen an.

Wenn schon China, dann richtig, entscheiden wir und steigen vor dem Hauptbahnhof in eine chinesische Fahrradrikscha. Am Reichstag und Kanzleramt vorbei sausen wir durch den Tiergarten. Die Morgensonne bricht durch die Bäume, nur ein paar Radfahrer sind eilig unterwegs. Wir haben uns gerade an das Schaukeln der Rikscha gewöhnt, da erreichen wir den Shaolin-Tempel.

Direkt vor dem Bahnhof wartet unsere chinesische Rikscha

Vorbei geht’s am Chinesischen Tor, einem der Eingänge des Zoologischen Gartens

Direkt vor dem Bahnhof wartet unsere chinesische Rikscha

Direkt vor dem Bahnhof wartet unsere chinesische Rikscha

Vorbei geht’s am Chinesischen Tor, einem der Eingänge des Zoologischen Gartens

Vorbei geht’s am Chinesischen Tor, einem der Eingänge des Zoologischen Gartens

Mit den alten Mauern der Klosteranlage des buddhistischen Ordens in China hat er äußerlich nichts gemein. Ein weißgraues Siebzigerjahre-Mietshaus, der Eingangsbereich immerhin in freundlichem Gelb gestrichen. Gelb sind auch die Wände der Halle, in der uns Großmeister Shi Yong Dao zum Qigong empfängt. In weißem Seidenanzug steht er vor uns und beginnt mit einem Nicken die Stunde. Heute offenbart er uns die „Acht Brokate“. So heißt die Abfolge fließender harmonischer Bewegungen, die wir ihm nun nachmachen und die unsere Energien ausgleichen sollen. Shi Yong Dao sagt kein Wort, mit einem hörbaren Ausstoßen des Atems gibt er das Signal zum Wechsel. Nur das Poltern der Kung-Fu-Schüler in der Etage über uns unterbricht die Stille ab und an. Shi ist einer von drei Mönchen hier. Shaolin-Mönch ist er seit 1985. Heute ist er in Plauderlaune. In Berlin gefalle es ihm: „Die Luft ist sauber, die Leute sind locker.“ Sogar einen Restauranttipp hat er für uns, „Lon Men’s Noodle House“: „Dort ist es wie zu Hause – und schmeckt auch so!“

Qigong-Stunde in Berlins Shaolin-Tempel

Mönch Shi Yong Dao plaudert gern mit seinen Gästen

Qigong-Stunde in Berlins Shaolin-Tempel

Qigong-Stunde in Berlins Shaolin-Tempel

Mönch Shi Yong Dao plaudert gern mit seinen Gästen

Mönch Shi Yong Dao plaudert gern mit seinen Gästen

Haltestelle - Shaolin-Tempel Deutschland

Shaolin-Tempel Deutschland

Buddhistischer Tempel
Bundesallee 215, 10719 Berlin

Es dampft aus Töpfen, Woks und Bambuskörben in dem kleinen Schnellrestaurant in der Kantstraße. Wir erwischen den letzten freien Bistrotisch. Hsien Kuo Ting, 62, betreibt den Imbiss seit 14 Jahren und empfiehlt uns Nudelsuppe mit Rind und Wantans in Chilisauce. Es schmeckt fantastisch. Kein Wunder: Tings Vater war Leibkoch des saudischen Königs. Als der Vater sich 1968 zur Ruhe setzte, kam die Familie nach Berlin.

Das „Lon Men’s Noodle House“ wirbt mit handgemachten Vorspeisen

Hier gibt es echte Dumplings – Teigtaschen wie in China

Manchmal kocht Betreiber Hsien Kuo Ting noch selbst

Das „Lon Men’s Noodle House“ wirbt mit handgemachten Vorspeisen

Das „Lon Men’s Noodle House“ wirbt mit handgemachten Vorspeisen

Hier gibt es echte Dumplings – Teigtaschen wie in China

Hier gibt es echte Dumplings – Teigtaschen wie in China

Manchmal kocht Betreiber Hsien Kuo Ting noch selbst

Manchmal kocht Betreiber Hsien Kuo Ting noch selbst

Haltestelle - Lon Men’s Noodle House

Lon Men’s Noodle House

Taiwanesisches Essen
Kantstraße 33, 10625 Berlin
Öffnungszeiten: 12 bis 22.30 Uhr

Hier in der Kantstraße sind wir direkt im Herzen des asiatischen Lebens in Berlin. Nirgends in der Stadt gibt es so viele chinesische, japanische und thailändische Geschäfte und Restaurants. Rund 30 asiatische Lebensmittel-, Möbel- und Pflanzenläden findet man hier. Dazu Massage- und Nagelstudios und jede Menge Souvenirs: Möbel, Fächer, Tonkrieger, Schatullen und Taschen aus Seide. Räucherstäbchen, Tigerbalsam und Glückskekse sowieso.

Nirgends in der Stadt gibt es so viele asiatische Geschäfte und Restaurants wie in Charlottenburg

Jianfei Da betreibt seit 14 Jahren den „Asienhandel Da“ in der Kantstraße

Jianfei Da betreibt seit 14 Jahren den „Asienhandel Da“ in der Kantstraße

Nirgends in der Stadt gibt es so viele asiatische Geschäfte und Restaurants wie in Charlottenburg

Nirgends in der Stadt gibt es so viele asiatische Geschäfte und Restaurants wie in Charlottenburg

Jianfei Da betreibt seit 14 Jahren den „Asienhandel Da“ in der Kantstraße

Jianfei Da betreibt seit 14 Jahren den „Asienhandel Da“ in der Kantstraße

Haltestelle - Asienhandel Da

Asienhandel Da

Chinesischer Großhandel
Kantstraße 143, 10623 Berlin
Öffnungszeiten: Mo.–Sa., 11 bis 19 Uhr

Die ersten Chinesen in Berlin kamen Mitte des 19. Jahrhunderts nach Berlin. Und wurden für sechs Groschen als Kuriositäten ausgestellt. Warum es seither so viele Landsleute ins Viertel um die Kantstraße zog? Vermutlich liegt es an der Technischen Universität, die seit rund 100 Jahren Studenten aus China anzieht.

Auch heute kommen die meisten Berliner Chinesen zum Studium her. Einer von ihnen ist Dong Yin, 24. Er studiert Informatik und jobbt nebenbei im „Go Asia“. Der Supermarkt bietet alles, was zur asiatischen Küche gehört: säckeweise Reis, Regalmeter mit würzigen und scharfen Saucen, eine große Tee-Abteilung. Zum Mitnehmen empfiehlt er mir knusprige dicke Bohnen und geröstete Seealgen.

Im „Go Asia“ findet man alles für die asiatische Küche

Im Snackregal: knusprige Bohnen und Seealgen

Im Snackregal: knusprige Bohnen und Seealgen

Im „Go Asia“ findet man alles für die asiatische Küche

Im „Go Asia“ findet man alles für die asiatische Küche

Im Snackregal: knusprige Bohnen und Seealgen

Im Snackregal: knusprige Bohnen und Seealgen

Haltestelle - Go Asia

Go Asia

Asiatischer Supermarkt
Turmstraße 29, 10551 Berlin
Öffnungszeiten: Mo.–Sa., 9 bis 21 Uhr

Wir fahren weiter nach Kreuzberg, zur „Long March Kanteen“, dem angesagtesten Restaurant mit moderner chinesischer Küche in der Stadt. Die langen Tische sind festlich gedeckt, auf Teewägen wird kantonesische Küche serviert. Die sei eher mild, mit viel Sojasauce, sagt Guanfeng Guan und stellt Teller mit eingelegtem Karpfen, Quallensalat und Dumplings auf unseren Tisch.

Guan kam mit 15 Jahren aus Shanghai nach Berlin und half seinem Onkel im Restaurant. Dumplings seien das Lieblingsgericht seiner Kindheit. Hier serviert er sie in allen Formen und Farben. Die Spezialität: der kugelrunde Shanghai-Dumpling, der in der hauseigenen Manufaktur mit würzigem Schweinehack gefüllt und dann 18-fach gefaltet wird. In süße Sojasauce getaucht, bewirkt er eine Geschmacksexplosion.

Die „Long March Canteen“ lockt mit moderner Shanghai-Küche

Spezialität des Hauses sind die kreisrunden Shanghai-Dumplings

Sehr erlesen ist auch die Cocktail- und Weinkarte der „Long March Canteen“

Die „Long March Canteen“ lockt mit moderner Shanghai-Küche

Die „Long March Canteen“ lockt mit moderner Shanghai-Küche

Spezialität des Hauses sind die kreisrunden Shanghai-Dumplings

Spezialität des Hauses sind die kreisrunden Shanghai-Dumplings

Sehr erlesen ist auch die Cocktail- und Weinkarte der „Long March Canteen“

Sehr erlesen ist auch die Cocktail- und Weinkarte der „Long March Canteen“

Haltestelle - Long March Canteen

Long March Canteen

Chinesisches Restaurant
Wrangelstraße 20, 10997 Berlin

Zufrieden fahren wir weiter zum „Garten des wiedergewonnenen Mondes“. So heißt der Chinesische Garten im Ostberliner Marzahn. Alle Wege sind hier gewunden, damit einen die bösen Geister nicht verfolgen. Die können nämlich nur geradeaus gehen, sagt man. Yali Yu winkt ab. Viel wichtiger seien die Gesetze der Natur. Weil dort alles harmonisch und fließend sei, gebe es auch im Garten keine geraden Achsen und auch keine gestutzten Bäume.

Die Landschaftsarchitektin hat den Garten mit angelegt. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 betreibt sie das Teehaus am Teich. Auf der Karte stehen mehr als 50 Teesorten. Wir sind mit Frau Yu zur Teezeremonie verabredet. Gerade bringt sie ein Tablett mit Teegedecken, klein wie Puppengeschirr. Die goldene Seidenbluse und der enge, lange schwarze Rock betonen ihre schmale Silhouette. Ihre ruhigen Bewegungen folgen einer geübten Choreografie. Mit einer kleinen Schaufel füllt sie Tee in das Kännchen und gießt heißes Wasser darauf. Den Sud schüttet sie durch ein Sieb in das Krüglein und zurück in das Kännchen. Erst dann gießt sie den Tee in den kleinen „Duftbecher“. Auch nachdem sie den Tee vom Becher in die „Nippschale“ gegossen hat, dürfen wir noch lange nicht trinken. Stattdessen beginnt die Prozedur von vorn. „So trinken wir den Tee seit Ewigkeiten“, sagt Yu und führt mit der Linken den Becher an die Nase. Wir tun es ihr nach und genießen den blumigen Wohlgeruch. Mit der Rechten nehmen wir die Schale und trinken den Tee in kleinen Schlucken. Frau Yu gießt nach und bereitet den zweiten Aufguss vor. „Beim Teetrinken geht es darum, sich Zeit zu nehmen, Ruhe und Gelassenheit zu finden“, sagt sie.

Das ist uns heute gelungen. Wir nippen am Tee, lassen uns streicheln vom warmen Wind, und wir beenden den Tag mit Blick auf die Seerosen, Trauerweiden und Schwanenküken. Total entspannt.

Unterwegs zur Teezeremonie in Berlins Chinesischem Garten

Jeder Handgriff von Yali Yu folgt einer uralten Choreografie

Seit Jahrtausenden wird in China Tee getrunken

Unterwegs zur Teezeremonie in Berlins Chinesischem Garten

Unterwegs zur Teezeremonie in Berlins Chinesischem Garten

Jeder Handgriff von Yali Yu folgt einer uralten Choreografie

Jeder Handgriff von Yali Yu folgt einer uralten Choreografie

Seit Jahrtausenden wird in China Tee getrunken

Seit Jahrtausenden wird in China Tee getrunken

Haltestelle - Long March Canteen

Teehaus im Chinesischen Garten

Chinesisches Teehaus
Eisenacher Straße 99, 12685 Berlin